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Das erste Dampfschiff auf der Weser

Die wahrscheinlich größte Veränderung der Weserschifffahrt trat im
März 1819 ein, als das Dampfschiff "Herzog von Cambridge" in Bremen zur
Fahrt nach Hannoversch Münden ablegte. Am 9. März 1819 begann dieser Raddampfer die
366 km lange Bergfahrt nach Hann. Münden, wo das Schiff am 20. März ankam. Bereits bei
dieser Jungfernfahrt musste aber festgestellt werden, dass die Dampfmaschine mit ihren
14 PS viel zu schwach für den Dampfer war. Trotz nur geringer Zuladung war auch der Tiefgang für
die Oberweser viel zu groß. Oberhalb von Hameln mussten dann sogar Pferde vorgespannt werden,
um die vielen Fahrwasserengen überwinden zu können. Nach einer viertägigen Talfahrt von
Hann. Münden nach Bremen endete dann bereits der Einsatz dieses Schiffes.
Trotzdem wurden die Weserschiffe um die Mitte des 19. Jahrhunderts stetig größer. Die
Tragfähigkeit neuer Schiffe war um etwa 100 t auf bis zu 170 t angestiegen. Diese Schiffe wurden jetzt ausschließlich
von Pferden getreidelt. Obernkirchener- und Sollingsandstein, der nach Bremen gebracht und von dort nach Amerika und Indien
exportiert wurde, war ein wichtiges Transportgut.
Die Fahrgastschifffahrt auf der Weser
1842 gründete man in Hameln die Vereinte Weser-Dampfschifffahrt, um eine
regelmäßige Personenschifffahrt zwischen Hannoversch Münden und Bremen
zu betreiben. Dies war die Geburtsstunde der Fahrgastschifffahrt auf der Weser.
Die neu entstandene Gesellschaft stellte bis Anfang 1846 gleich fünf neu erbaute
Dampfer in Dienst. Diese wurden hauptsächlich als Verkehrsmittel genutzt, aber
auch die ersten Ausflügler konnten schon transportiert werden. Häufiges Niedrigwasser
und der allgemein schlechte Zustand des Weserfahrwassers brachten keinen großen
wirtschaftlichen Erfolg.
Die Umläufe der Schiffe waren aufeinander abgestimmt, und somit war eine zuverlässige Schifffahrtslinie
zwischen Hann. Münden und Bremen entstanden. Größere Zwischenstationen auf dieser
Strecke sind Holzminden, Hameln, Minden und Nienburg gewesen. Mit dem Bau immer
weiterer neuer Eisenbahnstrecken kam die Gesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste
im Herbst 1857 liquidieren.
Ab 1848 fuhren die Dampfer unter der Regie der bekannten Reederei Norddeutscher Lloyd aus
Bremen. Ein großer Geschäftszweig dieser Reederei war der Transport von Auswanderern.
Diese wurden nun nicht erst mit den Seeschiffen transportiert, sondern sie nutzten schon die
Möglichkeit, an der Oberweser ein Schiff zu besteigen auf ihrer Fahrt in die neue Welt.
Aber auch diese Schifffahrtsgesellschaft musste 1873 die Weserschifffahrt aufgeben, da die Eisenbahn den Konkurrenzkampf
gewonnen hatte. Zwei Dampfer kaufte W. Lampe aus Hameln, um mit ihnen fortan in den
Sommermonaten zwischen Hannoversch Münden und Hameln eine Schifffahrtslinie zu betreiben. Nach zwei Jahren
mit sehr starkem Niedrigwasser musste auch Lampe aufgeben.
Aber ein weiterer Hamelner wagte sich an die Fahrgastschifffahrt auf der Oberweser. J. Meyer
kaufte die beiden Dampfer "Hermann" und "Armin" und gab in Dresden einen Neubau in Auftrag.
Dieser Dampfer wurde 1877 abgeliefert. Der "Fürst Bismarck" war mit nur 40 cm Tiefgang
für die Oberweser sehr gut geeignet. Aber die Bevölkerung und Gäste im Weserbergland zeigten sehr
wenig Interesse an Ausflugsfahrten mit dem Dampfschiff, so dass auch diese Reederei Ende 1882 aufgab.
Die Oberweser-Dampfschifffahrt in Hameln
Die Wesermühle in Hameln nutzte mit der Ersteigerung des "Fürst Bismarck" die Chance, auch in die
Fahrgastschifffahrt einzusteigen. Am 19. Mai 1883 begann das Schiff mit Linienfahrten zwischen Hannoversch Münden und
Hameln. Dies war die Geburtsstunde der Oberweser-Dampfschifffahrt (OWD). Zu dieser Zeit entwickelte sich der
Fremdenverkehr im Weserbergland sehr gut, so dass dank starker Werbung die Fahrgastzahlen ständig zunahmen.
So konnte 1899 ein neues Schiff bestellt werden. Die Dresdener Maschinenfabrik & Schiffswerft AG lieferte im Mai 1900
den Raddampfer "Kaiser Wilhelm" an die OWD ab.
Dieses Schiff war nun für die nächsten 70 Jahre zwischen Hann. Münden
und Hameln im Einsatz. Erst 1970 wurde die "Kaiser Wilhelm" nach Lauenburg an der Elbe verkauft. Hier ist der Dampfer noch
heute als Museumsschiff im Originalzustand im Dienst. Nachdem die OWD 1906 ein eigenständiges Unternehmen geworden war,
übernahm man von der Sächsisch-Böhmischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft bis 1910 vier weitere
Raddampfer. Auf der 135 km langen Weserstrecke zwischen Hann. Münden und Hameln konnte nun ein umfangreicher Fahrplanverkehr
durchgeführt
werden.
Die ersten Motorschiffe auf der Weser
Nachdem auf anderen Flüssen sehr gute Erfahrungen mit motorbetriebenen Schraubenschiffen gemacht wurden,
ließ die OWD zwischen 1925 und 1937 fünf neuartige Schiffe bauen. Diese fügten sich sehr gut in die
Flotte ein. Im 2. Weltkrieg beschlagnahmte die Wehrmacht zwei Raddampfer und setzte diese auf der Weichsel ein, von
wo sie nie zurückkehrten. Auch drei Motorschiffe erlitten 1945 im Hafen von Hameln durch Beschuss starke Schäden.
Als die zerstörten Brücken und Schiffe auf der Weserstrecke beseitigt waren, kamen nach und nach
die Raddampfer und Motorschiffe wieder in Fahrt. Um den höheren Ansprüchen der Fahrgäste gerecht zu werden,
begann 1967 eine komplette Erneuerung der Flotte. Mit dem "Kaiser Wilhelm" wurde 1970 der letzte Dampfer außer Dienst
gestellt. 1983 konnte dann das letzte alte Motorschiff, die "Stör" ausgemustert werden.
Die in Bodenwerder und Uffeln bei Vlotho entstandenen Neubauten waren speziell für die Oberweser konstruiert.
Der Tiefgang der Schiffe belief sich zwischen 85 und 60 cm bei voller Beladung. So konnte mit nur wenigen Ausnahmen
auch bei extremem Niedrigwasser gefahren werden. 1992 kam es mit dem Aufkauf einer privaten Reederei in Hameln zu einer starken
Veränderung im Angebot. Jetzt wurden neben dem Linienverkehr auch örtliche Rundfahrten angeboten. Aber die OWD blieb
weiterhin abhängig von Zuschüssen der Weseranlieger. Da die Gesellschafter im Herbst 2002 die hohen Verluste
der abgeschlossenen Saison nicht mehr decken wollten, musste die OWD im Februar 2003 nach 120 Jahren liquidiert werden.
Die größte Reederei auf der Weser ist die im Frühjahr 2003 gegründete
"Flotte Weser". Dieses Unternehmen übernahm vier ehemalige OWD Schiffe und befährt mit ihren
acht Schiffen ("Bremen", "Dornröschen", "Hameln",
"Holzminden", "Karlshafen", "Höxter", "Stadt Verden" und
"Nienburg") nach einem festen Fahrplan die Strecken Bad Karlshafen-Hameln und Minden-Bremen. Ab 2013 fährt auch der Raddampfer "Wappen von Minden" unter der Flagge der "Flotte Weser". |